Mehrwertsteuer in Portugal – Mehrwertsteuersätze 2026
Die Mehrwertsteuer in Portugal funktioniert nach den in der gesamten Europäischen Union geltenden Grundsätzen. Es handelt sich um eine indirekte Steuer, die auf die meisten Waren und Dienstleistungen erhoben wird. Die portugiesische Mehrwertsteuer wird auf jeder Stufe der Wertschöpfungskette erhoben – vom Hersteller über den Händler bis zum Endverkäufer – die tatsächliche Steuerlast trägt jedoch der Verbraucher. Unternehmen können die Vorsteuer abziehen und zahlen letztlich nur die Differenz zwischen gezahlter und geschuldeter Mehrwertsteuer.
Das portugiesische System entspricht den EU-Standards, weist jedoch Besonderheiten auf, die insbesondere bei grenzüberschreitendem Handel, E-Commerce oder bei der Gründung eines Unternehmens in Portugal relevant sind.
Wie hoch ist die Mehrwertsteuer in Portugal im Jahr 2026?
Im Jahr 2026 gelten in Portugal drei grundlegende Mehrwertsteuersätze: der Standardsatz, der ermäßigte Satz und der stark ermäßigte Satz. Zusätzlich gibt es Steuerbefreiungen sowie Sonderregelungen für autonome Regionen. Die folgenden Informationen sind gültig ab dem 1. Januar 2026 und basieren auf dem portugiesischen Mehrwertsteuergesetz.
Der Standardsatz der Mehrwertsteuer in Portugal beträgt 23% und gilt für die überwiegende Mehrheit der Waren und Dienstleistungen. Er ist der Regelsatz, der immer dann angewendet wird, wenn keine niedrigere Steuer vorgesehen ist.
Der ermäßigte Steuersatz beträgt 13% und gilt unter anderem für bestimmte Lebensmittel, Gastronomieleistungen, Strom, landwirtschaftliche Dienstleistungen, den Personenverkehr sowie weitere ausgewählte Kategorien.
Der stark ermäßigte Mehrwertsteuersatz in Portugal beträgt 6%. Er betrifft grundlegende Güter des täglichen Bedarfs wie bestimmte Lebensmittel, Bücher, Zeitungen, Medikamente, Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen sowie Bildungs- und Gesundheitsleistungen.
Die Frage, welcher Mehrwertsteuersatz für ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung gilt, hängt von der Klassifizierung nach portugiesischem Recht ab. Im Zweifelsfall sollte diese durch einen lokalen Steuerberater bestätigt werden.
Mehrwertsteuersätze in den autonomen Regionen Portugals
Portugal umfasst zwei autonome Regionen: Madeira und die Azoren. Aufgrund ihres Sonderstatus gelten dort niedrigere Mehrwertsteuersätze als auf dem Festland.
Auf den Azoren:
Standardsatz: 16%
ermäßigter Satz: 9%
stark ermäßigter Satz: 4%
Auf Madeira:
Standardsatz: 22%
ermäßigter Satz: 12%
stark ermäßigter Satz: 5%
Bei Lieferungen oder Dienstleistungen an Kunden auf den Azoren oder Madeira gelten die Steuersätze des jeweiligen Lieferortes. Diese Unterschiede sind insbesondere im E-Commerce und Versandhandel von Bedeutung.
Mehrwertsteuerregistrierung in Portugal
Ausländische Unternehmen, die in Portugal wirtschaftlich tätig sind, können zur Mehrwertsteuerregistrierung verpflichtet sein. Dies betrifft unter anderem:
den Verkauf von Waren oder Dienstleistungen an Kunden in Portugal,
die Lagerung von Waren in portugiesischen Logistikzentren,
innergemeinschaftliche Lieferungen und Importe.
Die Registrierung erfolgt bei der portugiesischen Steuerbehörde (Autoridade Tributária e Aduaneira). Die Mehrwertsteuernummer hat das Format PT + 9 Ziffern. Nach der Registrierung müssen Unternehmen Verkaufs- und Einkaufsaufzeichnungen führen, Rechnungen gemäß lokalen Vorschriften ausstellen und monatliche oder vierteljährliche Steuererklärungen abgeben.
Mehrwertsteuererklärungen und Meldepflichten
Die portugiesische Mehrwertsteuer erfordert eine regelmäßige Berichterstattung. Unternehmen müssen unter anderem folgende Unterlagen einreichen:
Mehrwertsteuererklärungen (Modelo 30 oder Modelo 22),
SAF-T-Dateien (Standard Audit File for Tax),
jährliche Unternehmensberichte (IES – Informação Empresarial Simplificada).
Die Abgabefristen hängen von der Unternehmensgröße und der Art der Tätigkeit ab. Monatliche Erklärungen müssen bis zum 10. Tag des Folgemonats eingereicht werden. Bei vierteljährlicher Abrechnung endet die Frist am 15. Tag des zweiten Monats nach Quartalsende.
Mehrwertsteuerbefreiungen in Portugal
Nicht alle Umsätze unterliegen der Mehrwertsteuer. Das portugiesische Steuerrecht sieht Befreiungen für bestimmte Tätigkeiten vor, darunter:
Bildungsleistungen,
medizinische und gesundheitliche Dienstleistungen,
der Verkauf gebrauchter Immobilien nach Ablauf einer bestimmten Frist,
bestimmte Finanz- und Versicherungsumsätze.
Eine Mehrwertsteuerbefreiung bedeutet nicht automatisch eine Befreiung von der Registrierungspflicht. Einige Unternehmen müssen trotz Steuerbefreiung registriert bleiben und Meldungen abgeben.
Mehrwertsteuer in Portugal und E-Commerce
Portugal wendet das OSS-Verfahren (One Stop Shop) gemäß EU-Richtlinien an. Wenn Sie Waren online an Privatkunden in Portugal verkaufen und die jährliche EU-weite Lieferschwelle von 10.000 Euro überschreiten, müssen Sie portugiesische Mehrwertsteuer berechnen. Dies kann ohne lokale Registrierung über das OSS-System im Sitzland erfolgen.
Im Rahmen von OSS werden die Verkäufe nach Portugal gemeldet und die entsprechenden portugiesischen Mehrwertsteuersätze angewendet. Dies vereinfacht den Prozess, erfordert jedoch eine korrekte Buchführung und aktuelle Steuersätze in den Verkaufssystemen.
Rechnungen und Mehrwertsteuerdokumentation
Portugiesische Vorschriften verlangen, dass Rechnungen den lokalen Mehrwertsteuerregeln entsprechen. Eine Rechnung muss unter anderem enthalten:
die Mehrwertsteuernummer des Verkäufers,
die Mehrwertsteuernummer des Käufers (falls zutreffend),
das Rechnungs- und Lieferdatum,
den angewendeten Mehrwertsteuersatz,
Netto- und Bruttobeträge,
gegebenenfalls Steuerbefreiungen und deren Rechtsgrundlage.
Rechnungen müssen zudem in von der Steuerbehörde genehmigten Systemen erstellt werden oder den elektronischen Kontrollanforderungen (SAF-T) entsprechen. Fehler oder Verstöße können zu finanziellen Sanktionen führen.
Mehrwertsteuer auf Import und Export in Portugal
Waren, die aus Nicht-EU-Ländern nach Portugal importiert werden, unterliegen der Mehrwertsteuer bei der Einfuhr. Der Importeur zahlt die Steuer und kann sie später im Rahmen der Steuererklärung abziehen, sofern steuerpflichtige Umsätze vorliegen.
Exporte außerhalb der EU sind von der Mehrwertsteuer befreit, sofern entsprechende Ausfuhrnachweise vorliegen. Innergemeinschaftliche Lieferungen sind ebenfalls steuerfrei, wenn der Erwerber über eine gültige Mehrwertsteuernummer verfügt und die Dokumentation korrekt ist.
Portugiesische Mehrwertsteuer – Änderungen und Ausblick
Im Jahr 2026 wurden keine grundlegenden Änderungen an der Steuersatzstruktur vorgenommen. Es gab jedoch Anpassungen beim Anwendungsbereich der ermäßigten Steuersätze, insbesondere im Tourismus- und Bildungssektor. Die portugiesische Regierung aktualisiert die Vorschriften regelmäßig, weshalb Unternehmen Änderungen kontinuierlich verfolgen sollten.
Zudem wird zunehmend Wert auf elektronische Kontrollen gelegt – die Digitalisierung des Steuersystems schreitet voran, und Fehler in der Berichterstattung können erhebliche finanzielle Folgen haben.
Die portugiesische Mehrwertsteuer bleibt stabil, ist jedoch nicht vollständig vorhersehbar. Eine fundierte Kenntnis der Regeln, Sätze und Pflichten hilft, Risiken zu vermeiden und das Geschäft effizient zu führen – sowohl lokal als auch grenzüberschreitend. Wer in diesem Markt tätig ist oder mit portugiesischen Partnern zusammenarbeitet, sollte stets über aktuelle Mehrwertsteuersätze informiert sein.
